Eines muß man dem Menschen lassen: Er kann sich ändern.
Grausamste KZ-Wächter können sich in der Nacht zum 8. Mai 1945 in hilflose Opfer der NS-Diktatur verwandeln, die nur Befehle befolgten, weil sie es unter permanenter Androhung der Todesstrafe mussten. Diktatoren zeigen Reue, indem sie freiwillig mit dem zusammengerafften Milliardenvermögen ins Exil gehen, sobald sie vertrieben wurden. Und Hassprediger werden über Nacht zu Helden, wenn ihnen der Boden zu heiß wird.
Anfang der Woche wandelte sich Jens von Wichtingen vom Saulus zum Paulus. Er gehörte nach meinen wenigen Informationen zum engsten Kreis der Betreiber/innen der Hasspredigerseite PI und wendet sich nun nach eigenen Angaben, zwar nicht mit Abscheu, aber durch Einsicht, “einen Fehler gemacht” zu haben, von PI ab. Dies lässt er dann auf der Seite von Ramon Schack aus – den ich persönlich, offen gesagt, auch für etwas dubios halte, da der ganze Verlauf und sein Verhalten nach seinem bloggersdorfhaft-legendären Interview mit dem Hassprediger einen bemerkenswerten Zickzackkurs (andere würden vielleicht Schleimkurs dazu sagen) genommen hat. Egal, was soll’s.
Im Flugzeug, noch nichts von v. Wichtingens angeblichem Kurswechsel ahnend, las ich ein Editorial im Wall Street Journal, der mich in diesem Zusammenhang sofort an PI erinnerte – und an geistige Brandstiftungen: Es handelte sich um einen Artikel, der sich in typisch anglo-amerikanischem Stil ganz trocken und sachlich mit der momentanen Hasswelle in Italien gegen Rumänen (zu denen auch Sinti, Roma u.a. gerechnet werden) auseinandersetzt und zu dem Schluß kommt: “Being Romanian cannot suddenly become a crime in Italy.”
Das ist meiner bescheidenen Meinung nach die zentrale Botschaft – und genau diese, lediglich in “Der Moslem” umformuliert hat PI immer verbreitet, verbreitet sie noch und wird sie auch in Zukunft verbreiten. Die “Rumänen” Deutschlands sind “die Moslems”, “die Fremden”, “die Ausländer”.
Im Zweifel waren die hassübersäten Ausländer immer Moslems, aber im Notfall war das auch völlig egal, wie man bei PI im Falle der gejagten 8 Inder vor einigen Monaten sehen konnte. Der PI-Duktus damals unterschied sich m.E. kaum von dem der deutschen Neonaziszene. Gleichwohl ist dies im wesentlichen aber auch egal, denn im Gegensatz zu Stefan Niggemeier, der in PI lediglich eine “islamfeindliche” Seite zu erkennen glaubt, aber offenbar nicht erkennen will, dass PI grundsätzlich xenophob ist und nur auf der im Gegensatz zum jahrelangen Misserfolg “Ausländer” jetzt Dank 9/11 auf den erfolgreichen Ansatz “Moslem” setzt. Der leidenschaftliche und kranke Hass auf PI hat für mich schon richtig bizarre Züge, wenn man sich die m.E. pervers-lüsternen “Artikel” und vor allem die zügellosen Kommentare dort ansieht.
Und Jens von Wichtingen hat über eine lange Zeit dabei mitgemacht.
Wer ist Jens von Wichtingen nun wirklich?